Montag, 26. Oktober 2009

Kuchen backen mit Hindernissen

German recipe vs imperial measuring instruments - aaaargh!
Angestachelt von den Backkünsten vom Papa und verpflichtet durch die Tatsache, dass ich jetzt eine anständige Hausfrau bin, wollte ich für Sonntagnachmittag einen Kuchen backen. Nachdem ich im Internet ein Rezept ausgesucht und beim letzten Einkauf alle Zutaten besorgt hatte, machte ich mich am Samstag ans Werk. Zuerst ging ich auf die Suche nach dem ganzen Werkzeug - und beschloss, die abgängige Springform durch eine der neun (!!!) verschiedenen Kasserollen zu ersetzen und diese statt mit einem Backpinsel mit den bloßen Händen einzuschmieren. Gut. Etwas umständlicher wurde es dann, als ich feststellte, dass dieser Haushalt bisher anscheinend ohne Waage ausgekommen war...

A bachelor's household: nine (!!!) different casseroles but no kitchen scales. Makes baking a cake adventurous...
225 g Mehl abschätzen?? Die 2,5 kg Packung Mehl in elf gleiche Häufchen aufteilen und zehn davon wieder in die Tüte zurückschütten?? Eine Balkenwaage basteln und das Mehl mit einem 250g Becher Frischkäse abwiegen?? Blöd.

Ein Messbecher war da, aber leider ohne die Mengenangaben für Zucker und so. Also hab ich mich mal wieder an den Computer gesetzt und mir die Dichte von Mehl & Co. gesucht. Dank meiner Nachhilfearbeit bin ich ja endlich wieder fit im Dreisatz-Rechnen, so dass ich das Kuchenrezept mühsam in Hohlmaße "übersetzt" hab...
  • Mehl: 0,8 g /cm³ also brauch ich 450 ml Mehl
  • Butter: 0,94 g /cm³ also fast so wie Wasser (wer hätt's gedacht?)
  • Zucker: 2,7 g /cm³ also brauch ich 28 ml Zucker
  • usw.

Als ich endlich damit fertig war, sind wir zu der Kunstausstellung in die City gefahren und nix war's mitm Kuachabacha!

Gestern waren wir wieder beim Einkaufen und schaut mal, was seitdem bei uns in der Küche steht! Da hab ich doch vorher grad noch einen Käsekuchen gebacken. Ganz einfach;-)
Erkenntnisse des Tages:
  • In Kanada braucht man keine Küchenwaage, weil Rezepte in "Tassen" und "Löffel" verfasst sind. Lustig wird's dann mit Halb- und Vierteltassen sowie Halb-, Viertel- und Achtellöffeln. Kein Witz!

  • In Kanada backt man keinen Kuchen, man kauft ihn. Fotos von der entsprechenden Abteilung des hiesigen Supermarkts erspar ich euch aber, weil ich es nicht verantworten will, wenn ihr Augenkrebs und Magengeschwüre gleichzeitig kriegt!

  • Trotzdem gibt es Backpulver nicht in so kleinen Briefchen, sondern in 500g Bechern.

  • Für die Generation 40+ gilt nach wie vor das imperiale System für alle Maßeinheiten: Man misst Längen in miles, yards und inches, Gewichte in stones, pounds und ounces, Hohlmaße in barrels, gallons, quarts, pints und weiß der Kuckuck was noch alles.



2 Kommentare:

  1. Hallo
    Ich hab mich gestern mit einem Stammgast unterhalten, die in Kanada aufgewachsen ist.
    Als ich ihr gesagt hab, dass du in Calgary bist, war ihr erster Kommentar gleich "Oh my goodness! In Calgary??? It's very cold in Calgary!" Sehr begeistert hat sie nicht geklungen, aber du wirst dir bestimmt deine eigene Meinung bilden :-)
    Auf jeden Fall hat sie zu der Kuchenbackabmessgeschichte gesagt, dass sie nicht mit richtigen Kaffeetassen und Teelöffeln abmessen. Da gibt es spezielle, genormte Messgeräte, die dann eben den Halb-, Viertel- und Achtel Tassen/Esslöffel/Teelöffel entsprechen. Und dass (auch wenn sich das für uns sehr umständlich anhört) auch Kanadier leckere Kuchen backen können.
    Also vielleicht suchst mal nach sowas in eurer Küche.
    Liebe Grüße, Babsi

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  2. Sowas hab ich in mehrfacher Ausführung in der Küche, aber mit einem deutschen Rezept ist es halt nicht kompatibel. Drum der Aufwand.

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