Montag, 12. Juli 2010

Arztbesuch

Irgendwo hab ich mal gelesen, dass das kanadische Gesundheitswesen sooo fortschrittlich ist. Davon hab ich mir heute ein eigenes Bild machen können, da ich meinen Vorrat wieder aufstocken musste (ihr wisst schon...)

Um drei hatte ich einen Termin, um fünf VOR drei stand ich jedoch bereits mit meinem Rezept in der Apotheke. In einem Land, in dem der Staat für die Krankenversicherung aufkommt, ist der Service halt ein bisschen eingeschränkt:
  • bei der Anmeldung schien alles noch wie gewohnt, ich konnte sogar zwischen einem männlichen und einem weiblichen Arzt wählen

  • im Wartezimmer keine Zeitschriften, Einzeltischchen oder Kinderspielsachen, sondern Theaterbestuhlung

  • dann das Behandlungszimmer: fensterlos, von Babyfotos keine Spur, dafür so nützliche Hinweise an der Wand wie "Bitte die medizinischen Instrumente nicht berühren", "Wir berechnen $ 40 für versäumte Termine" oder "Pro Termin bitte nur ein Thema besprechen"

  • die Ärztin, einen guten Kopf kleiner als ich und geschmückt wie ein Christbaum (in der Nahrungsmittelbranche ist farbiger Fingernagellack verboten, warum nicht bei Ärzten?), spricht ungefähr so gut Englisch wie ich Altpersisch

  • ich habe keinen Schimmer, was sie mir erzählt, drum fange ich halt mal an, meine Schuhbänder aufzumachen. falsch gedacht: das Einzige, was die Gute mit mir anstellt, ist Blutdruck messen.

  • nach ein paar negativ beantworteten Fragen zu etwaigen Herz- und Leberproblemen in meiner Vergangenheit reicht sie mir einen handgeschriebenen Zettel, fertig.

  • ach ja: falls ich es wünsche, kann ich mir ja mal einen Termin zur genaueren Untersuchung geben lassen - aber das liegt bei mir.
Anschließend bin ich gleich zur Apotheke, dort ging es auch wieder lustig zu. Ein verwirrter Herr im weißen Kittel nahm sowohl das eben erstandene Rezept als auch meine Krankenversichertenkarte entgegen, notierte meine Adresse und Telefonnummer und verschwand hinter einem Regal. Während ich auf meine Dreimonatspackung wartete, bediente er noch drei andere Patienten. Sehr interessant, was man da alles über seine Mitmenschen erfährt - Diskretion ausgeschlossen!
Nachdem er die Alkoholikerin vor mir eingehend über das ihr verschriebene Präparat belehrt hatte, hätte er ihr fast meine Schachtel mitgegeben. Gut, dass ich mein Zeug kenne!
Leider hatte die Apotheke nur eine Einmonatspackung vorrätig, also werde ich mir diesen Zirkus bald wieder antun müssen... Wenigstens kostet es mich nix, das ist echt das Geilste an der ganzen Sache!

Ach ja: Als ich die Apotheke verließ, bemerkte ich das Fehlen meiner Krankenversichertenkarte. Die lag noch irgendwo hinter besagtem Regal...

4 Kommentare:

  1. Tja, was soll man sagen - stimmt, das tollste ist wirklich, dass das kostenlos ist.
    Aber ehrlich, wir zahlen in Zukunft noch mehr dafür, dass wir noch weniger bekommen

    lg Maria

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  2. Ich war gestern auch bei besagter Ärztin. Und die hat sich sogar bei mir entschuldigt, weil sie orange FlipFlops anhatte. Sie hat sich gedacht, bei so jungen Patienten wie bei mir kann man das schon tragen. Nur Ältere würden sich da drüber aufregen, warum Frau Doktor mit solchen Schuhen rumrennt. Aber bei den Temperaturen konnte sie halt nicht anders...

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  3. Hihi, ich hab ja ganz vergessen zu erwähnen, dass in dem Behandlungszimmerchen nur eine normale Liege stand, kein Gyn-Stuhl. Wirklich eine merkwürdige Erfahrung!

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  4. Klingt ja lustig!
    Aber wenns umsonst ist... Viel Spass beim naechsten Mal!

    Kerstin

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